Skip to main content

WEGGEHEN IN BLAU, GRÜN UND ROT

SABINA HÖRTNER

RAUM FÜR KUNST UND NATUR, BONN
12. OKTOBER BIS 15. NOVEMBER 2026

Kuratorin: Nicole Pruckermayr

Eine Ausstellung der Steirischen Kulturinitiative in Kooperation mit dem Raum für Kunst und Natur in Bonn.

 

Viele Veränderungen im Umraum vollziehen sich leise. Sie betreffen Dinge von geringer Größe, unscheinbare Arten, Details am Rand der Wahrnehmung. Eventuell sind es jedoch gerade die nicht vordergründigen Elemente in unserem Umfeld, die eine besondere ökologische oder kulturelle Bedeutung tragen. Was verschwindet, verschwindet oft nicht spektakulär und laut, sondern allmählich – ohne sichtbare Leerstelle und meist ohne Öffentlichkeit.
Die Ausstellung von Sabina Hörtner nähert sich dieser Thematik über Pflanzenarten, deren Präsenz leicht übersehen wird. Pflanzen lösen beim Menschen Emotionen aus und werden hier als botanisches Sujet zum Ausgangspunkt für Verschiebungen zwischen Erinnerung und Form in Fläche und Raum.
Im Zentrum stehen kleine Edelstahlskulpturen, die auf einem Raster von einem Zentimeter aufgebaut sind. Ausgangspunkt sind konkrete pflanzliche Vorbilder, doch erscheinen sie nicht als Abbild, sondern als reduzierte, durchlässige Strukturen.
Ihre angedeutete Form und Farbigkeit orientiert sich an den jeweiligen Pflanzenarten und sie markieren den Ort, an dem deren vormalige Existenz nicht mehr sichtbar ist.
Parallel dazu zeigt Sabina Hörtner sieben großformatige Acrylbilder. Ihre Bildstruktur folgt ebenfalls einem System aus horizontalen und vertikalen Linien, jedes Bild greift ein Detail einer Skulptur auf – ein Zoom, ein Close-up, das aus der Nähe betrachtet und in Malerei übersetzt wird. Dabei löst sich die ursprüngliche Referenz weiter auf: Die Pflanzenform wird zu einer Erinnerung der Erinnerung, zu einer subjektiven Setzung aus Farbe, Rhythmus und Verdichtung. Während die Skulpturen flächig im Raum erscheinen,
erzeugen die Bilder ihrerseits eine Illusion von Räumlichkeit.
Im hinteren Raum setzt eine Serie von Zeichnungen diesen Prozess fort, die sich
überlagernden Linien der Pflanzenzeichnung werden zu einem lückenhaften Raster.
So entfaltet sich innerhalb der Ausstellung eine Abfolge von Transformationen: von der Pflanze zur Skulptur, von der Skulptur zur Zeichnung und weiter zum Bild.
Mit jedem Schritt vergrößert sich die Distanz zum ursprünglichen Gegenstand.
Die Arbeiten bewegen sich damit zwischen Dokumentation und Konstruktion, sie halten fest, was leicht übersehen wird – und zeigen, wie selektiv und formbar Erinnerung ist.
Sabina Hörtner

Näheres zu Sabina Hörtner:

https://sabinahoertner.com/

Näheres zum Raum für Kunst und Natur in Bonn:

https://raum-fuer-kunst-und-natur.de/

95 cm x 135 cm Acryl auf Leinwand/Alustretch Foto: © Robert Najar

Sabina Hörtner, 2025
Weggehen in rosa, grün und dunkelgrün
(Kornrade/Agrostemma githago)
95 cm x 135 cm
Acryl auf Leinwand/Alustretch
Foto: © Robert Najar

Gefördert von Land Steiermark Kultur und Stadt Graz Kultur.