IDA MALY
Die Malerin Ida Sofia Maly (1894–1941) hatte, intersektional betrachtet, Vieles auf ihren Schultern zu tragen.
Maly wuchs in Graz auf und besuchte die Landeskunstschule. Danach setzte sie ihre Studien in Wien, München und Paris fort. Prägende Eindrücke erhielt sie im München der Räteregierung nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, wo sie im Kreis um die Witwe Frank Wedekinds verkehrte. Es gelang ihr zunächst, ihren Lebensunterhalt als Malerin zu bestreiten. Doch nach der Geburt ihrer Tochter Elga 1921 gerieten ihr Freiheitsdrang und ihre emanzipatorischen Ziele zusehends in Konflikt mit ihren Aufgaben als alleinerziehende Mutter. Aufgrund ihrer sich zunehmend verschlechternden existenziellen Situation war sie 1923 gezwungen, ihr Kind zur Adoption freizugeben. Kurze Zeit später erkrankte sie psychisch und kehrte nach Graz zurück.
1928 wurde sie erstmals in das psychiatrische Krankenhaus „Am Feldhof“ in Graz eingewiesen, später erfolgte eine Verlegung in den „Steinhof“ nach Wien.
In der Zwischenkriegszeit entstand ein formal und inhaltlich einzigartiges Werk, das nicht nur als Statement zu ihrer eigenen Situation zu lesen ist, sondern auch die politischen Verhältnisse widerspiegelt. In der Psychiatrie hielt sie mit dem Zeichenstift die anderen Insass:innen fest und gestand ihnen in einfühlsamen Porträts jene Individualität und Würde zu, welche die zunehmende Unmenschlichkeit der Psychiatrie der 1930er-Jahre ihnen absprach.
Innerhalb der Ausstellung werden eine Reihe von Porträts aus dieser Zeit gezeigt.
Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das „Dritte Reich“ 1938 wurden Kunstwerke wie die Ida Malys als „entartet“ diffamiert.
Als moderne Künstlerin, die noch dazu unter einer psychischen Krankheit litt, war Ida Maly doppelt gefährdet, in der Zeit des „Dritten Reiches“ wurde unter der Parole „Ausmerzung unwerten Lebens“ Massenmord an behinderten Menschen und psychiatrischen Patienten. So wurde auch Ida Maly 1941 im Rahmen des „Euthanasie-Programms“ selektiert und in der Vernichtungsanstalt Hartheim bei Linz ermordet.
Ihr Lebenslauf zeigt die beispiellose Brutalität und Grausamkeit des Nationalsozialismus.
Ida Maly konnte nur 46 Jahre alt werden, dennoch hinterlässt sie ein umfangreiches Werk, ihre Arbeiten leben weiter.
Ida Maly
Blonde Frau
1930
Aquarell und Bleistift auf Papier
22 x 18 cm
Sammlung Neue Galerie Graz / Universalmuseum Joanneum
2020 Schenkung Ulrike Waldorf
Inv.-Nr.: II/40902
Foto: maschekS
IDA MALY in der Kunsthalle Graz
Eröffnung: Freitag, 20. November 2026 18 Uhr
Ausstellung: 22.11 bis 4.12.2026
Ort: Kunsthalle Graz, Conrad-von-Hötzendorf-Straße 42a, 8010 Graz
Auf den Spuren von Ida Maly: Das psychiatrische Krankenhaus „Am Feldhof“ und das Living Museum
Montag 13.07.2026 10:30 – 12:00
Grätzelinitiative Margaretenbad
Rundgang
Samstag, 21. November
11:00 – 12.30 Uhr Rundgang mit Brigitte Dorfer und Claudia Beiser in Geidorf zu Stationen Ida Malys Leben
in Kooperation mit Grätzelinitiative Margaretenbad
Finissage und Gespräch
Freitag, 4. Dezember 17 Uhr
Finissage und Gespräch mit der Kunsthistorikerin Brigitte Dorfer und Anderen in der Ausstellung.
VERANSTALTERIN:
Eine Ausstellung der Steirischen Kulturinitiative mit Leihgaben der Sammlung der Neuen Galerie Graz/Universalmuseum Joanneum in der Kunsthalle Graz und in Kooperation mit der Grätzelinitiative Margaretenbad.
Gefördert von: Land Steiermark Kultur, Stadt Graz Kultur

